DIE PFLANZE - DIE PHYSIOTHERAPEUTIN
- resischaflechner
- 31. Juli
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TEIL Text: Mag. Waltraud Neuper
Als Physiotherapeutin tritt die Pflanze in zweifacher Weise auf:
Einmal indem wir sie als Gestalt in Raum und Zeit betrachten, ihre
Wachstumsgesten studieren. Mit welch scheinbarer Leichtigkeit sie sich auf
zwei gegensätzliche Kraftzentren zubewegt: heliotrop und geotrop. Oder wie
für uns scheinbar ohne Mühe sie ihre Äste und Blätter im Raum trägt –
immerfort, ohne sich in der Nacht hinzulegen und sich auszuruhen. Wie
gekonnt und ergonomisch sie in ihren Gesten das Gleichgewicht sucht. Ein
eindrucksvolles Beispiel gibt hier eine Bohnenranke ab, welche über das obere
Ende einer Bohnenstange hinausgewachsen ist. Schier unendlich ist die Liste
dieser für uns beeindruckenden physischen Phänomene. Wenn wir zum Beispiel
erfahren, dass die Statik einer Roggenpflanze vergleicht werden kann mit dem
Eiffelturm, wäre er auf einem Dreiviertelquadratmeter gebaut. Wenn eine
solche Pflanze sich dann im Winde wiegt, vollbringt sie statische
Hochleistungen.
In ihrer zweiten Weise als Physiotherapeuten schult sie uns in unserer
(Fein)Motorik. Bei der Pflege von gerade gekeimten, kleinen, feinen Pflanzen
und beim Pikieren lernen wir uns selbst als Feinmotoriker kennen. Und schon
manches Pflänzchen bezahlte unsere manchmal hektische, unkontrollierte und
ungeübte Motorik mit seinem Leben.
Es ist sehr heilsam und aufschlussreich einmal ein paar Meter einer gerade
gekeimten Karottenreihe zu lockern und zu jäten. Neben der Motorik werden
dabei auch Geduld und das Vorstellungsvermögen entwickelt, weil wir unser
immer das dünne, feine Würzelchen unter der Erde vorstellen müssen, welches
dann zur Karotte heranwächst.
Übung: Jäte eine frisch aufgelaufene Karottenreihe.
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