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DIE PFLANZE - DIE PHYSIOTHERAPEUTIN

  1. TEIL Text: Mag. Waltraud Neuper


Als Physiotherapeutin tritt die Pflanze in zweifacher Weise auf:

Einmal indem wir sie als Gestalt in Raum und Zeit betrachten, ihre

Wachstumsgesten studieren. Mit welch scheinbarer Leichtigkeit sie sich auf

zwei gegensätzliche Kraftzentren zubewegt: heliotrop und geotrop. Oder wie

für uns scheinbar ohne Mühe sie ihre Äste und Blätter im Raum trägt –

immerfort, ohne sich in der Nacht hinzulegen und sich auszuruhen. Wie

gekonnt und ergonomisch sie in ihren Gesten das Gleichgewicht sucht. Ein

eindrucksvolles Beispiel gibt hier eine Bohnenranke ab, welche über das obere

Ende einer Bohnenstange hinausgewachsen ist. Schier unendlich ist die Liste

dieser für uns beeindruckenden physischen Phänomene. Wenn wir zum Beispiel

erfahren, dass die Statik einer Roggenpflanze vergleicht werden kann mit dem

Eiffelturm, wäre er auf einem Dreiviertelquadratmeter gebaut. Wenn eine

solche Pflanze sich dann im Winde wiegt, vollbringt sie statische

Hochleistungen.

In ihrer zweiten Weise als Physiotherapeuten schult sie uns in unserer

(Fein)Motorik. Bei der Pflege von gerade gekeimten, kleinen, feinen Pflanzen

und beim Pikieren lernen wir uns selbst als Feinmotoriker kennen. Und schon

manches Pflänzchen bezahlte unsere manchmal hektische, unkontrollierte und

ungeübte Motorik mit seinem Leben.

Es ist sehr heilsam und aufschlussreich einmal ein paar Meter einer gerade

gekeimten Karottenreihe zu lockern und zu jäten. Neben der Motorik werden

dabei auch Geduld und das Vorstellungsvermögen entwickelt, weil wir unser

immer das dünne, feine Würzelchen unter der Erde vorstellen müssen, welches

dann zur Karotte heranwächst.


Übung: Jäte eine frisch aufgelaufene Karottenreihe.




 
 
 

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